Sonntag, 27. Oktober 2013

Der Genetische Fehlschluss

Vom Genetischen Fehlschluss spricht man, wenn ein Argument aufgrund der Herkunft abgelehnt wird, obwohl die Herkunft keinen Einfluss auf den Wahrheitsgehalt des Arguments hat.

Auf ein hervorragendes Beispiel für den Genetischen Fehlschluss bin ich in dem Buch So lügen Journalisten von Udo Ulfkotte (Goldmann Verlag, 2002) gestoßen. Auf Seite 284 schreibt der Autor, dass die Nachrichtenagentur United Press International (UPI) von dem Unternehmen News World Communications Inc. gekauft worden sei. Der Eigentümer dieses Unternehmens sei aber die nach der Weltherrschaft strebende Vereinigungskirche oder "Moon-Sekte". So gesehen ist es erschreckend, dass auch in deutsche Nachrichten künftig Berichte einer Agentur einfließen können, deren Eigentümer nach journalistischen Maßstäben eher gemieden werden sollten wie die Pest. (ebenda)

Es sei hier dahingestellt, ob die Vereinigungskirche nach der Weltherrschaft strebt. Aber falls dies zutreffen würde, wäre deswegen den Nachrichten der Agentur mehr zu misstrauen als anderen Agenturen? Dies wäre sicherlich der Fall, wenn es um die Berichterstattung über die Vereinigungskirche ginge. Aber genauso muss man Vorsicht walten lassen, wenn man von der Katholischen Nachrichten Agentur Berichte über katholische Themen oder von der syrischen Nachrichtenagentur SANA über Syrien liest. Kaum eine Nachrichtenquelle ist wirklich auf allen Gebieten neutral oder objektiv. Man kann aber durchaus davon ausgehen, dass die von UPI gelieferten Berichte beispielsweise im Sportbereich nicht durch die Ziele der Vereinigungskirche beeinflusst sind. Die Qualität der Berichte aus Wissenschaft und Wirtschaft hängen dagegen vor allem von der Kompetenz der Journalisten ab. Und was den politischen Bereich betrifft, kann man sich meist ohnehin nicht auf eine einzige Quelle alleine verlassen.