Montag, 18. November 2013

Mark Twains Beispiel für einen Bestätigungsfehler

Von einem Bestätigungsfehler oder einer verzerrten Auswahl (englisch confirmation bias) spricht man, wenn man nur Informationen auswählt, die eine vorgefasste Schlussfolgerung bestätigen. Bereits Mark Twain war die Tendenz vieler Menschen aufgefallen, besonders im Bereich Politik und Religion mehr nach einer Bestätigung für die eigenen Überzeugungen zu suchen, anstatt Informationen zu gewinnen, die eine rationale Entscheidung ermöglichen würden. Hier ist ein Zitat aus Mark Twains Notizbuch:

Does the human being reason? No; he thinks, muses, reflects, but does not reason [...] That is, in the two things which are the peculiar domain of the heart, not the mind, – politics and religion. He doesn't want to know the other side. He wants arguments and statistics for his own side, and nothing more. (Mark Twain's Notebook, chapter "England"); New York: Harper & Brothers, 1935; p. 307

Hier ist die deutsche Übersetzung: Urteilt der Mensch vernünftig? Nein. Er denkt, grübelt, überlegt, aber er urteilt nicht vernünftig [...] Und zwar bei den beiden Dingen, die ihm besonders am Herzen, nicht im Verstand, liegen – Politik und Religion. Er möchte nicht die andere Seite kennen. Er möchte Argumente und Statistiken für seine eigene Seite und nicht mehr.

Donnerstag, 7. November 2013

Weisheit von Craig Ferguson

Late-Night-Shows sind eigentlich als seichte Unterhaltung gedacht und nicht, um irgendwelche Weisheiten zu vermittelt. Aber Talk-Show-Host Craig Ferguson lässt manchmal doch einen schärferen Intellekt durchscheinen, als seine üblichen Albernheiten während der Sendung vermuten ließen.

Hier ist eine Äußerung, die er in seiner Sendung am 7. August 2013 tätigte: I think people are as individual as snowflakes. They can look alike, but no two are exactly the same, and all classification is the root of prejudice.

Auf deutsch: Ich glaube, dass die Leute so individuell wie Schnellflocken sind. Sie können gleich ausschauen, aber es gibt keine zwei, die genau gleich wären, und jegliche Klassifizierung ist die Ursache von Vorurteilen.

Es wäre schön und besser für die Welt, wenn diejenigen, die glauben, dass Nationen, Völker, "Rassen" und andere Menschengruppen bestimmte Eigenschaften besitzen, zur gleichen Erkenntnis fähig wären.

Falls jemand Craig Fergusons Show sehen möchte: http://www.youtube.com/watch?v=qFvABq7JQVk

Montag, 4. November 2013

Die Fehlschlüsse des Antonin Scalia und die Banalität der Macht

In einem Interview mit der Zeitschrift New York Magazine erklärte Antonin Scalia, einer der neun Mitglieder des amerikanischen obersten Gerichtshofes, dass er an den Teufel als tatsächlich existierende Person glaube. Dies ist an sich nichts Außergewöhnliches, da ein Großteil der Menschen — nicht zuletzt in den USA — an den Teufel glaubt. Problematisch ist Scalias Bekenntnis jedoch, weil er aufgrund seines Amtes zu den einflussreichsten Personen der USA gehört und weil er mit seinen Begründungen sein irrationales Denken offenbart.

Nachdem Scalia in dem Interview geäußert hatte, dass er an Himmel und Hölle glaube, fügte er hinzu: Ich glaube sogar, dass es den Teufel gibt.

Inverviewer: Tun Sie das?

Scalia: Natürlich! Ja, er ist eine wirkliche Person. He — ich bitte Sie! —, das ist eine gängige katholische Glaubenslehre! Jeder Katholik glaubt das.

Scalia rechtfertigt seine Überzeugung, dass der Teufel existiere, damit, dass es sich dabei um die gängige katholische Lehre handele. Der Trugschluss besteht darin, sich auf eine falsche Autorität zu berufen. Natürlich sieht sich die katholische Kirche als Autorität, wenn es um Himmel, Hölle, Gott und Teufel geht, und sie wird von den meisten Gläubigen auch als solche anerkannt. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es der Kirche an rationalen Begründungen für diese Lehren fehlt. In Wirklichkeit handelt es sich dabei lediglich um Dogmen und Mythen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben.

Scalia rechtfertigt sich außerdem damit, dass jeder Katholik daran glaube. Dies mag wahr sein, aber die Mehrheitsmeinung hat keinen Einfluss darauf, ob eine Behauptung wahr ist.

Den Fehlschluss der Berufung auf die Mehrheit begeht Scalia später im Interview noch einmal: Sie schauen mich an, als ob ich komisch wäre. Mein Gott! Sind Sie so weit weg vom größten Teil Amerikas, von denen die meisten an den Teufel glauben? ... Sie bewegen sich in Kreisen, die vom Durchschnittsamerika so weit entfernt ist, dass Sie entsetzt sind, dass jemand an den Teufel glaubt! Der größte Teil der Menschheit hat an den Teufel geglaubt, in der ganzen Geschichte.

Scalia mag recht haben, dass die meisten Menschen an den Teufel glauben, was ihn aber nicht realer macht. Die meisten Menschen glaubten während des größten Teils der Geschichte, dass die Erde eine Scheibe sei, was trotzdem nicht den Tatsachen entsprach.

Schließlich bringt Scalia dann noch einmal eine Berufung auf zweifelhafte Autoritäten: Ich meine, Jesus Christus hat an den Teufel geglaubt! Es steht in den Evangelien! ... Viele intelligentere Leute als Sie und ich haben an den Teufel geglaubt.

Sich auf eine mythische Figur als Beleg für eine Behauptung zu berufen ist natürlich mindestens so problematisch wie darauf zu verweisen, dass einige angeblich intelligentere Leute das gleiche glaubten.

Die Äußerungen Scalias zeigen, dass eine besondere Intelligenz und ein rationales Denken nicht nötig sind, um eine einflussreiche Position zu besetzen. Er beruft sich darauf, dass die Durchschnittsamerikaner das Gleiche glaubten. Aber Scalia ist kein Durchschnittsamerikaner. Als Mitglied des Supreme Court sollte er eine größere Fähigkeit zum logischen Denken vorweisen können als der Durchschnittsbürger. Aber wir müssen den Blick nicht über den Atlantik schweifen lassen, um zu sehen, wie wenig Vernunft an den Schaltzentralen der Macht vorhanden ist, schließlich haben hierzulande erst vor kurzem die Wähler einem Ministerpräsidenten, der nicht fähig ist, eine siebenstellige Zahl zu lesen, wieder eine absolute Mehrheit im Landtag verliehen.

Das ganze Interview mit Scalia kann auf der Website von New York Magazine gelesen werden: http://nymag.com/news/features/antonin-scalia-2013-10/index3.html

Sonntag, 27. Oktober 2013

Der Genetische Fehlschluss

Vom Genetischen Fehlschluss spricht man, wenn ein Argument aufgrund der Herkunft abgelehnt wird, obwohl die Herkunft keinen Einfluss auf den Wahrheitsgehalt des Arguments hat.

Auf ein hervorragendes Beispiel für den Genetischen Fehlschluss bin ich in dem Buch So lügen Journalisten von Udo Ulfkotte (Goldmann Verlag, 2002) gestoßen. Auf Seite 284 schreibt der Autor, dass die Nachrichtenagentur United Press International (UPI) von dem Unternehmen News World Communications Inc. gekauft worden sei. Der Eigentümer dieses Unternehmens sei aber die nach der Weltherrschaft strebende Vereinigungskirche oder "Moon-Sekte". So gesehen ist es erschreckend, dass auch in deutsche Nachrichten künftig Berichte einer Agentur einfließen können, deren Eigentümer nach journalistischen Maßstäben eher gemieden werden sollten wie die Pest. (ebenda)

Es sei hier dahingestellt, ob die Vereinigungskirche nach der Weltherrschaft strebt. Aber falls dies zutreffen würde, wäre deswegen den Nachrichten der Agentur mehr zu misstrauen als anderen Agenturen? Dies wäre sicherlich der Fall, wenn es um die Berichterstattung über die Vereinigungskirche ginge. Aber genauso muss man Vorsicht walten lassen, wenn man von der Katholischen Nachrichten Agentur Berichte über katholische Themen oder von der syrischen Nachrichtenagentur SANA über Syrien liest. Kaum eine Nachrichtenquelle ist wirklich auf allen Gebieten neutral oder objektiv. Man kann aber durchaus davon ausgehen, dass die von UPI gelieferten Berichte beispielsweise im Sportbereich nicht durch die Ziele der Vereinigungskirche beeinflusst sind. Die Qualität der Berichte aus Wissenschaft und Wirtschaft hängen dagegen vor allem von der Kompetenz der Journalisten ab. Und was den politischen Bereich betrifft, kann man sich meist ohnehin nicht auf eine einzige Quelle alleine verlassen.